FESTIVAL

Weite Perspektiven mit herausragenden Solisten

Das Musikfestival tiefschoen findet 2019 zum zweiten Mal statt. Das Programm auf Schloss Wartin in der Uckermark ist wieder ganz von Neugierde geprägt. Tatsächlich ist mit Ur- und Erstaufführungen Neues ganz besonders präsent. Neugierde kann aber ebenso Altes, aber trotzdem nicht Bekanntes auf sich lenken. Neu- und Wiederentdeckungen sind ja nicht zuletzt ganz individuelle Wahrnehmungen. tiefschoen 2 bietet musikalische Erlebnisse aus vier Jahrhunderten, vom Frühbarock bis zur Gegenwart. Neueste Grooves und Experimentelles sind ebenso zu hören wie besondere Werke aus Romantik oder aus Fernost, vollkommen Ungewohntes von der menschlichen Stimme wird geboten. Ein weiterer Horizont wird mit außergewöhnlichen Videos und einer Podiumsdiskussion eröffnet. Wir bieten drei Tage spannendes Klingen

tiefschoen 2 bietet mit seinem vielfältigen Programm einen Begegnungsraum für Zuhörer, die Konzerte „mit ihrer Musik“ sonst eher getrennt erleben. Das gemeinsame Anhören von Musik, das ganz besonders Kommunikative dieser Veranstaltungsart mit seiner besonderen Atmosphäre soll hier wieder möglich werden. Eine Gedichtzeile von Alfred Mombert, die Alban Berg vor gut 100 Jahren meisterlich vertonte, gab das Motto für die Veranstaltungen: „…das macht die Welt so tiefschön.“

tiefschoen 2 wendet sich bedingt durch seine Lage an Hörer aus Deutschland und Polen gleichermaßen. Das Festival bildet so den Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen, die Wartin zu einem Ort regionaler Kulturidentität über Grenzen hinaus werden lassen. Wir freuen uns, dass Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke in seiner Eigenschaft als Koordinator für die deutsch-polnische zwischen-gesellschaftliche und grenznahe Zusammenarbeit die Schrimherrschaft übernommen hat.

ORT

Schloss Wartin

Das verträumt gelegene Schloss Wartin ist seit seiner behutsamen Restaurierung zu einer internationalen Begegnungsstätte in der Uckermark avanciert. Es befindet sich im unmittelbaren Hinterland der die Region jahrhundertelang prägenden Großstadt Stettin und ist von dort aus in weniger als einer halben Stunde zu erreichen. Wartin ist damit im Zentrum einer Region, die auf deutscher Seite mit den Städten Pasewalk, Prenzlau und Schwedt, auf polnischer Seite mit Stargard umrissen werden kann. So bildet das Schloss-Ensemble mit mehreren Spielstätten einen gut erreichbaren Ort in dieser vielfältigen Umgebung. Das Herrenhaus bietet neben einem Saal und seinem bühnenhaften Treppenhaus eine Bibliothek. Umgeben von einer weiträumigen Gartenanlage mit vielfältigen Spielorten wie einem Belvedere und einem Laotischem Tempel wird das Ensemble von einer Kirche abgerundet.

Shuttle-Möglichkeiten vom und zum Bahnhof Casekow können unter 0152 2593 9412 erfragt werden.

Foto: Lex Hongkham

PROGRAMM

Tag 1 - Freitag, 20. September 2019 | Garten und Gartensaal des Schlosses

Barock – Romantik – Avantgarde | Beginn 18.00 Uhr , Einführung 17.00 Uhr in der Bibliothek

Der erste Festivaltag präsentiert zwei Instrumantalsolisten mit Musik aus Barock und Romantik, die sich tags darauf ganz neuestem Schaffen widmen werden. Zur Unterhaltung sonntäglicher Spaziergänger in Utrecht schrieb Jakob van Eyck im 17. Jahrhundert die Kompositionen seines ”Flöten-Lusthofs“. Mit seiner Musik beginnt Im Garten bei angebotenen Erfrischungen das Festival, bevor im unmittelbar angrenzenden Saal des Herrenhauses die spätromantische Emotionalität von Max Reger zu erleben ist, einem Komponisten, der sich seinerseits ganz intensiv dem Studium barocker Musik widmete. Studium von Musik einer eigentlich in der Entfernung angesiedelten Musik unternahm auch der koreanische Komponist Isang Yun, freilich handelte es sich hier nicht um zeitliche, sondern räumliche Distanz. Der mit der Sehnsucht nach europäischer Musik Aufgebrochene ließ im Laufe seines Schaffens immer mehr Reflexion fernöstlichen Denkens in sein musikalisches Schaffen einfließen. Der aus den USA stammende Komponist Michael Edward Edgerton war längere Zeit Kompositionsprofessor im chinesischen Guangxi, seit diesem Sommer im schwedischen Malmö. Er lotet in seinem Schaffen die Möglichkeiten einer gegebenen Klangsituation durch und durch aus. Am ersten Abend von tiefschoen 2 ist er mit seinem „Instrument“, der Stimme, in einer Solo-Performance zu mit „unerhörten“ Klängen erleben. Der Abend schließt mit Barockmusik, ohne auf den experimentellen Aspekt zu verzichten. Johann Sebastian Bach schrieb die sechste seiner Cello-Suiten für Violoncello piccolo, einem sich vom „normalen“ Violoncello durch eine fünfte Saite unterscheidendem Instrument.

Solisten
Adele Bitter, Violoncello / Violoncello piccolo
Antonio Politano, Blockflöte
Michael Edward Edgerton, Stimme

Werke
Jakob van Eyck: Barocke Tänze aus „Der Flöten-Lusthof“
Max Reger: Suite für Violoncello Nr. 1
Isang Yun: Glissée
Michael Edward Edgerton: Solo Voice Performance
Jakob van Eyck: Psalm aus „Der Flöten-Lusthof“
Johann Sebastian Bach: Suite Nr. 6 für Violoncello piccolo

Adele Bitter (Foto: Frank Eidel)

Antonio Politano (Foto: Magali Koenig)

Michael Edward Edgerton

Tag 2 - Samstag, 21. September 2019 | Speicherbibliothek und Gartensaal des Schlosses

Beobachten     Erleben     Experimentieren     Festhalten

Der zweite Festivaltag widmet sich ganz gegenwärtiger Musik. Ihre Eigenart als Augenblickskunst bringt es mit sich, dass jede Musik gegenwärtig ist. Grund genug, den Blick immer neu auf die verschiedensten Regionen zu richten, um zu erfahren, welche Musik dort gerade gegenwärtig gemacht und gehört wird. Trommelrhythmen aus Afrika jenseits der Sahara waren für Musikethnologen lange ein Phänomen, das sich ihren schriftlichen Aufzeichnungsmöglichkeiten entzog. Ein deutsch-simbabwisches Team ist seit 2012 durch Video- und Audio-Dokumentationen dem Problem auf den Grund gegangen. Die hier festgehaltenen Traditionen sind Grundlage eines Unterrichtsmaterials, das heute in Musikschulen Simbabwes verwendet wird. Gert Müller, einer der Verantwortlichen des Projekts präsentiert die spannende Tradition und ihre Weiterentwicklung in der Clubszene Harares. Der mexikanische Komponist Julio Estrada war zu tiefschoen 2 eingeladen, sein neues, sehr ungewöhnliches Werk in einer eigenen Performance aufzuführen. Krankheit hinderte ihn an einer Teilnahme in diesem Jahr, die in Zukunft aber nachgeholt werden soll. Dieser außergewöhnlichen Komponistenpersönlichkeit widmete die Filmemacherin Aurélie Semichon eine Dokumentation. Beide Filme stimmen ein in die Welt ungewöhnlicher Klänge. 

1975 ließen sich Joachim und Herbert Paetzold den nach ihnen benannten Typus einer Kontrabassblockflöte patentieren. Modell bildeten für diesen Typus im Schnitt viereckige Orgelpfeifen, die traditionell aus Holz gefertigt werden. Ein die tiefen Töne besonders begünstigendes Verhältnis von Länge und Durchmesser ermöglichte die Erschließung dieses Registers für die Blockflöte. Die außergewöhnlichen Klangmöglichkeiten, die dieses neue Instrument besonders beim Überblasen bot, lockten viele Komponisten zu Experimenten, die sich inzwischen in einer größeren Anzahl von Kompositionen manifestierten. Antonio Politano wird in diesem Konzert – häufig in Kombination mit Verstärkung und anderer Elekronik – in der Mehrzahl Stücke spielen, die italienische Komponisten für ihn geschrieben haben.  Dieser Reigen deutscher Erstaufführungen wird vervollständigt durch neue Musik für Violoncello. Neben der direkten Möglichkeit, Musik von Luciano Berio auf beiden Instrumenten begegnen zu können, haben auch zahlreiche andere klangliche Bezugnahmen das Programm geprägt. Eine besondere Uraufführung wird die Stettiner Geigerin mit einem neuen Geigenstück des Berliner Komponisten Caspar de Gelmini bieten.

Filme in der Speicherbibliothek
15.00
Gert Müller: Dokumentation der Trommelkultur von Chiweshe (Simbabwe) – Videos / Vortrag
16.45
Aurélie Semichon: Murmullos de Julio Estrada – Video-Dokumentation (2012)

Konzert im Gartensaal
18.15

Solisten
Adele Bitter – Violoncello
Antonio Politano – Paetzold Recorder, Blockflöten
Anna Chyhrina, Violine
 

Werke
Giorgio Netti: „qui“ für Sopranino-Blockflöte
Gerhardt Müller-Goldboom: „Sabi“ für Violoncello (UA der Fassung für Violoncello)
Maurizio Azzan: „Concetto di aura” for amplified F Paetzold contrabass recorder
Mark Andre: E für Violoncello
Luciano Berio: „Gesti” für Alt-Blockflöte
Luciano Berio: „Sequenza“ für Violoncello
Lorenzo Romano: „Crackpot”  for amplified F Paetzold contrabass recorder (DE)
Michael Edward Edgerton: „Mamre“ für Violoncello (UA)
Francesco La Licata: „Flatus Vocis” for amplified C Paetzold contrabass
Caspar de Gelmini: „objects and cells 3“ für Violine, Projektion und Elektronik (UA)
Paolo Perezzani: „Studio n.1: Enigma e stupore” for amplified F Paetzold contrabass recorder

 Anschließend: Meet the Artist Kommen Sie mit den Künstlern ins Gespräch

Das Kondensat    Foto: Dovile Sermokas

Tag 3 - Sonntag, 22. September 2019 | Bibliothek und Scheune

Frühschoppen mit Gesprächsrunde und Grooves am Nachmittag

Es groovt am dritten Festivaltag nach intellektuellem Gespräch. Eine Diskussion zum „State of the Art“ der Neuen Musik mit Gesprächsteilnehmern ganz verschiedener Positionen zum Thema „Brauchen wir Orientierung?“ eröffnet in der angenehmen Atmosphäre zwischen Bücherrücken und Getränkebegleitung das Geschehen. Der Nachmittagskaffee wird begleitet von elektroakustischem, zeitgenössischen Jazz mit viel Groove. Hochgeistiges und Unterhaltsames lassen tiefschoen 2 so ausklingen.

Bibliothek 11.00
„Brauchen wir Orientierung“ – Podiums- und Publikumsdiskussion
(Teilnehmer werden noch bekanntgegeben)

Scheune 16.00
Das Kondensat: Eric Schaefer, Gebhard Ullmann, Oli Potratz: Elektroakustische Grooves

Kurator des Festivals: Gerhardt Müller-Goldboom 

Alle Veranstaltungen finden auf dem Gelände des Schlosses Wartin statt.
Bei schlechtem Wetter werden die für den Außenbereich vorgesehenen Aufführungen in die Innenräume verlegt.

TICKETS

Tickets erhalten Sie über den Vorverkauf oder nach Verfügbarkeit vor den Veranstaltungen an der Kasse des Schlosses.

Preise an den Veranstaltungstagen
Gesamtes Festival  25 € (ermäßigt 20 €)
Tagestickets  10 €  (ermäßigt 8 €)

Preise im verbilligten Vorverkauf (im Internet und telefonisch unter +49 – 177 308 72 76)

Gesamtes Festival  20 € (ermäßigt 15 €)
Tagestickets  8 € (ermäßigt 6 €)

Ermäßigung erhalten Schüler, Studenten, Rentner, Bezieher des Arbeitslosengelds 2 gegen Vorlage eines gültigen Ausweises an der Kasse deSchlosses eine Stunde vor Beginn der Veranstaltungen. 

Das Schloss Wartin bietet in seinem Bauensemble für Mehrtagesbesucher Übernachtungsmöglichkeiten. Informationen erfragen Sie bitte hier.

FÖRDERER

Gefördert mit den Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg

SCHIRMHERRSCHAFT

Unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke, Koordinator für die deutsch-polnische zwischengesellschaftliche und grenznahe Zusammenarbeit

PARTNER

Partner des Projekt ist die Kunstakademie Szczecin