FESTIVAL

Weite Perspektiven mit besonderen Musikern

Das Musikfestival tiefschoen findet 2020 zum dritten Mal statt. Das Programm auf Schloss Wartin in der Uckermark ist wieder ganz von Neugierde geprägt. Tatsächlich ist mit Ur- und Erstaufführungen Neues ganz besonders präsent. Unsere Neugierde richtet sich aber ebenso auf die Zusammenhänge und die oft historischen Hintergründe, aus denen heraus Komponisten Neues entstehen lassen. So richtet tiefschoen 3 den Blick auf Traditionen in Mexiko und Japan und ihre hörbaren Spuren in heutiger Musik. Ein Fokus wird auf Neuer Musik aus Österreich liegen. Wie immer werden Freunde von Grooves neue elektronische Improvisationen erleben können.

Erstmals wird der WARTINER STÜCKEMARKT neue Kompositionen erleben lassen. Eine Auswahl aus neuen Werken, die in einer internationalen Ausschreibung unter dem Motto „SOCIAL DISTANCING“ entstanden sind, werden Anfang September für Aufführungen ausgewählt. Wir erwarten die Einsendungen mit Spannung. 

tiefschoen 3 bietet mit seinem vielfältigen Programm einen Begegnungsraum für Zuhörer, die Konzerte „mit ihrer Musik“ sonst eher getrennt erleben. Das gemeinsame Anhören von Musik, das ganz besonders Kommunikative dieser Veranstaltungsart mit seiner besonderen Atmosphäre soll hier wieder möglich werden. Eine Gedichtzeile von Alfred Mombert, die Alban Berg vor gut 100 Jahren meisterlich vertonte, gab das Motto für die Veranstaltungen: „…das macht die Welt so tiefschön.“

tiefschoen 3 wendet sich bedingt durch seine Lage an Hörer aus Deutschland und Polen gleichermaßen. Das Festival lässt Wartin so zu einem Ort regionaler Kulturidentität über Grenzen hinaus werden.

ORT

Schloss Wartin

Das verträumt gelegene Schloss Wartin ist seit seiner behutsamen Restaurierung zu einer internationalen Begegnungsstätte in der Uckermark avanciert. Es befindet sich im unmittelbaren Hinterland der die Region jahrhundertelang prägenden Großstadt Stettin und ist von dort aus in weniger als einer halben Stunde zu erreichen. Wartin ist damit im Zentrum einer Region, die auf deutscher Seite mit den Städten Pasewalk, Prenzlau und Schwedt, auf polnischer Seite mit Stargard umrissen werden kann. So bildet das Schloss-Ensemble mit mehreren Spielstätten einen gut erreichbaren Ort in dieser vielfältigen Umgebung. Das Herrenhaus bietet neben einem Saal und seinem bühnenhaften Treppenhaus eine Bibliothek. Umgeben von einer weiträumigen Gartenanlage mit vielfältigen Spielorten wie einem Belvedere und einem Laotischem Tempel wird das Ensemble von einer Kirche abgerundet.

Foto: Lex Hongkham

Klassische Verwandlungen

Wie gehen Komponisten mit Gegebenem um? Zwischen Aneignung oder gar spurloser Absorption bis hin zu Ablehnung oder Destruktion ist die Spanne geradezu riesig. tiefschoen 3 setzt den klassischen Bezugspunkt erstmals nicht in Europa, sondern in Japan. Die aus der höfischen Musik stammende Koto, ein Zitterinstrument, bildet den Ausgangspunkt eines Programms, das der gestellten Frage auf ganz unterschiedlichen Wegen nachgeht. Reflexionen ebenfalls buddhistischer Tradition sind etwa in der elektronischen Komposition „Go Where?“ hörbar, deren Klangmaterial aus einem Satz Kin, den rituellen Klangschalen des Zen, gewonnen wurde. Traditionelle, z.T. heute nicht mehr ausgeübte  Handwerke aus Fernost sind in „China 88“ zu erleben.

Der Reflexion einer ganz anderen Tradition, der indigenen Vorstellungswelt Mittelamerikas, ist das Portrait des mexikanischen Komponisten Julio Estrada gewidmet. Ein von einem Gedicht auf Nahuatl, der Sprache der Azteken, inspiriertes Stück für Violoncello spürt einer völlig neuen Klangwelt nach. Der Komponist Luis Jure geht als Südamerikaner mit elektronischen Mitteln Aldous Huxleys „Eyeless in Gaza“ nach, indem er Klangmaterial aus Montevideo verwendet.

Erstmals wird es den „Wartiner Stückemarkt“ geben, bei dem von einer Jury ausgewählte Kompositionen uraufgeführt werden. Anfang September werden Mark André, Isabel Herzfeld und Gerhardt Müller-Goldboom die zahlreichen, internationalen Einreichungen sichten, die unter dem Motto „social distancing“ eingingen. Ein zweiter Schwerpunkt des Samstag-Programms wird neueste Musik aus Österreich sein, zu dem zwei Komponistinnen und ein Komponist mit neuen Werken aus Wien anreisen werden.

Der Sonntag ist der Präsentation einer neuen CD des Ensembles work in progress – Berlin gewidmet, die mit dem polnischen Komponisten Jakub Sarwas entstand. Schließlich gibt es Urmateriale des Jazz in völlig neuem Gewand mit einer brillanten Stimme und virtuosen Instrumenten zu erleben.

PROGRAMM

Freitag, 2. Oktober

16:30 Film zur Einführung 
Aurélie Semichon: Murmullos de Julio Estrada 
18:00 Festivaleröffnung
Traditionelle Musik aus Japan für Koto
Werke von Julio Estrada (Mexiko):
Yuunohui’Yei 
„solo para uno“ / „solo pour soi“ – OPERANOVELA   UA
anschließend: Julio Estrada im Gespräch 
 
Naoko Kikuchi, Koto
Marika Gejrot, Violoncello
Julio Estrada, Stimm-Performance
Naoko Kikuchi © Ranbyoushi
Marika Gejrot © Philipp Ziegler

Samstag, 3. Oktober

15:30 Phil Niblock: China 88
 
17:30 Elektronische Kompositionen
Luis Jure: Mar de Fondo (2001)
Ushio Torikai: Go where? (1985)
Luis Jure: Eyeless in Gaza (1992)
 
19:00 Konzert WORK IN PROGRESS – BERLIN
Wartiner Stückemarkt „social distancing“ / Neue Musik aus Österreich
Martin Sadowski: im(m)un / anima UA
Markus Wettstein: iuncta intervallo UA
Gerhardt Müller-Goldboom: invece di un dipinto – Wartin Version UA
Irene Kepl: Rasterspiele UA
Maxim Seloujanov: Ein Wetterfrontenkrieg UA
Tanja Glinsner: Khane be khane UA
 
Tanja Glinsner, Mezzosopran
work in progress – Berlin
Gerhardt Müller-Goldboom, Dirigent und Einstudierung
Tanja Glinsner © Theresa Pewal
Irene Kepl © Hanna Partaj
Maxim Seloujanov © M.S.
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work in progress – Berlin © Oliver Potratz

Sonntag, 4. Oktober

15:00 Konzert zur CD-Präsentation
Jakub Sarwas: Prism
Damir Bacikin, Trompete – Oliver Potratz, Kontrabass – Jakub Sarwas, Komponist
16:30 Schlusskonzert mit Almut Kühne (voice), Damir Bacikin (trumpet) , Oliver Potratz (bass) 
Damir Bacikin © Privates Archiv
sarwas_1
Jakub Sarwas © Privates Archiv
Almut Kühne © Christian Schnur
Oliver Potratz © Frieder Aurin

Kurator des Festivals: Gerhardt Müller-Goldboom 

Tickets

Im Vorverkauf:  8 Euro (Tag) / 20 Euro (3 Tage) – ermäßigt 6 Euro / 15 Euro

Vorverkauf nur hier

An der Tageskasse: 10 Euro (Tag) / 25 Euro (3 Tage) – ermäßigt 8 Euro / 20 Euro

FÖRDERER

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