FESTIVAL

Aneignungen

Das Musikfestival tiefschoen findet 2018 zum ersten Mal statt. Dabei stehen Aneignungen im Mittelpunkt des Programms auf Schloss Wartin in der Uckermark. Musiker eignen sich gemeinsam mit dem Publikum die zahlreichen Spielstätten des behutsam restaurierten Bau-Ensembles an. Die Künstler eignen sich auch fremdes Instrumentarium, fremdes, auch vergessenes Musik- und Nachdenken an. Damit bewegen sie sich in einem internationalen Kontext, der zu aufregenden Klangerlebnissen führt.

tiefschoen bietet mit seinem Programm aus Alter und Neuer Musik in verschiedensten Spielarten einen Begegnungsraum für Zuhörer, die Konzerte „mit ihrer Musik“ sonst eher getrennt erleben. Das gemeinsame Anhören von Musik, das ganz besonders Kommunikative dieser Veranstaltungsart mit seiner besonderen Atmosphäre soll hier wieder möglich werden. Eine Gedichtzeile von Alfred Mombert, die Alban Berg vor gut 100 Jahren meisterlich vertonte, gab das Motto für die Veranstaltungen: „…das macht die Welt so tiefschön.“

tiefschoen wirft den Blick auf die aktuelle Musik-Szene in Fernost, Nord- und Mittelamerika, im Nahen Osten und Europa. Dabei werden auch spannende Wechselbeziehungen zur Musik der Vergangenheit zu erleben sein. Künstlerischer Leiter des Festivals ist Gerhardt Müller-Goldboom.

 

ORT

Schloss Wartin

Das verträumt gelegene Schloss Wartin ist seit seiner behutsamen Restaurierung zu einer internationalen Begegnungsstätte in der Uckermark avanciert. Galt dies bisher hauptsächlich für die Wissenschaften, sollen in Zukunft auch die Künste ihren festen Platz erhalten. Das Herrenhaus und seine weiträumige Gartenanlage mit vielfältigen Spielorten eignen sich besonders für die Verwirklichung eines Musikfests. Die einzelnen Programmteile können so in einem jeweils besonderen Ambiente präsentiert werden. Der Saal des Schlosses, der zur Gartenfront hin geöffnet werden kann, die Bibliothek und ein geradezu bühnenhaftes Treppenhaus bilden bereits für sich ein Ensemble ganz unterschiedlicher Räume, die auch bei schlechtem Wetter mit ihrer Vielfalt von akustischen Situationen den ansprechenden Rahmen für das gesamte Programm bieten. Bei schönem Wetter stehen darüber hinaus der Garten, ein Belvedere, ein Laotischer Tempel und ein Mauergeviert mit eigenen akustischen Situationen zur Verfügung, die wir alle mit ganz unterschiedlicher Musik bespielen werden.

Es steht ein kostenfreies Shuttle vom und zum Bahnhof Casekow bereit. Eine Telefonnummer zur Anmeldung wird in Kürze hier veröffentlicht. Eine Übersicht über die verfügbaren Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe finden Sie hier.

Foto: Lex Hongkham

PROGRAMM

Tag 1 - Freitag, 31. August 2018 | Gartensaal des Schlosses

Avantgarde – Klassik – Mittelalter | Beginn 18.00 Uhr , Einführung 17.00 Uhr

Der erste Festivaltag steht ganz im Zeichen zweier Instrumente, deren Aneignung durch die Komponisten verschiedenster Epochen zu erleben sein wird. Mit drei Instrumenten wird der Klang der Harfe vom Mittelalter bis zur unmittelbaren Gegenwart hörbar gemacht. Eva Curth wird sich mit ihrem Originalinstrument aus dem 18. Jahrhunderts nicht nur die Klänge dieser Zeit aneignen. Bereits sein Erbauer, François-Joseph Naderman, ließ in der Mode der damaligen Zeit mit fernöstlichen Bildmotiven, prachtvollen Chinoiserien, auf dem Instrument eine fremde Welt in die Welt des Rokoko verbringen. Auf einem nach einem Bild des Hieronymus Bosch gebauten Instrument wird die Solistin mittelalterliche Klänge bieten und auf einer modernen Harfe im Art-Deco-Stil Musik unserer Zeit zu Gehör bringen. Ist das Programm der Harfenistin einem Zeitabschnitt von etwa 800 Jahren gewidmet, eignet sich Christoph Huntgeburth mit seiner Flûte traversière unterschiedlichste Aspekte der Musik zwischen Galanterie und Sturm und Drang aus einer historisch sehr viel kleinen Zeitspanne an.

Solisten
Eva Curth, Harfen
Christoph Huntgeburt, Flûte traversière

Werke
Carl Philipp Emanuel Bach – Sonate a-Moll
Jacques-Martin Hotteterre – L’art de préluder, Echos
Georg Philipp Telemann – Fantaisie
Isang Yun – In Balance
Violeta Dinescu – Korund
Toru Takemitsu – Stanza 2
Toshio Hosokawa – Gesine
Heinz Holliger – Sequenzen über Johannes 1,32
Francois-Joseph Naderman – 1. Sonatine
Raimbaut de Vaqueiras – Kalenda Maia
Alfonso X. el Sabio – Como poden per sas culpas
Robert ap Huw – Caniad y gwyn bibydd y gwyn

Konzertende gegen 20.30 Uhr

Tag 2 - Samstag, 1. September 2018 | Verschiedene Orte

Experimentelle Grenzüberschreitungen

Der zweite Festivaltag widmet sich ganz dem neuesten Komponieren. Das Programm bietet in einer ersten Nachmittagsveranstaltung neben einem Wandelkonzert ganz individuelle Hörerlebnisse für alle Altersstufen, auch Kinder. In der zweiten Nachmittagsveranstaltung besteht die Möglichkeit der Mitwirkung für einige Zuhörer, die aus den Büchern der Bibliothek vorlesen können. Der Abend wird viele unerwartete Klänge bieten, die in einem fulminanten Spektakel enden werden.

Aneignungen von der Musik scheinbar fremden Gefilden, experimentelle Grenzüberschreitungen, wie sie für viele Komponisten heute eine große Rolle spielen, werden insbesondere in den Performances und Voice Acts von Liping Ting zu erleben sein. Die aus Taiwan stammende Künstlerin wird sich mit drei verschiedenen Arbeit diesen Grenzüberschreitungen besonders widmen. Das Ensemble work in progress – Berlin unter Gerhardt Müller-Goldboom wird mit vier Werke ganz unterschiedlicher Komponisten erstmals zum Erklingen bringen. Die Musiker müssen sich dabei ihnen sonst fremde Instrumente, auch die von Kollegen aneignen, können Ausflüge in die Unterhaltungsmusik machen, sollen dem Spiel von Kette und Schuss folgen und die Musik in Urbestandteile zerlegen. Spannende Abwechslung ist garantiert.

Interpreten und Kompositionen 

Liping Ting, voice – concepts – performances
Matthias Badczong, Bassklarinette
work in progress – Berlin Ensemble für Gegenwartsmusik
Gerhardt Müller-Goldboom – Dirigent

15.30 Laotischer Garten-Tempel und Garten
Liping Ting – OOO:  deep listening (UA)

Wandelkonzert mit Musik von Benjamin Britten, Hans Werner Henze, Gioacchino Rossini, Jazz, Jagdsignalen u.v.a.

17.30 Treppen-Bibliothek im Schloss
Liping Ting – OOO :  mirage (UA)

Mitwirkung des Publikums durch Vorlesen erwünscht. Vorherige Anmeldung unter 0151 2264 8349 möglich.

19.00 Gartensaal im Schloss
Brice Catherin -Sequence (UA)
Michael Edward Edgerton – Bénard Instability (UA)
Gerhardt Müller-Goldboom – Kettengewirk (UA)
Caspar de Gelmini – Objects and Cells (UA)
Nikolaus Gerszewski – no fun (UA)
Liping Ting – OOO:  incertainty  時石荒拓 (UA)

Anschließend: Meet the Artist Kommen Sie mit den Künstlern ins Gespräch

Ende der Konzerte gegen 21.00Uhr

 

Tag 3 - Sonntag, 2. September 2018 | Mauergeviert

Unplugged – Electronic | Beginn 14.00 Uhr, Einführung 13.00 Uhr

Es groovt am dritten Festivaltag. Instant Music Factory entwickelt langsam aus flächigen Klangstrukturen eine immer neue Klangwelt. Die drei Musiker der Electronic Band feierten zuletzt einen großen Erfolg in der Kunsthalle Bonn und schufen die Musik für die NDR-Hörspielfassung von Daniel Kehlmanns „Tyll“. Im Wechsel mit ihnen eignet sich Erik Drescher mit seiner Glissandoflöte verschiedenste Klangterrains von Komponisten aus Mexiko und Nordamerika bis nach Frankreich und Armenien an, die ihm die Stücke für sein neuartiges Instrument auf den Leib geschrieben haben.

Solist und Band
Erik Drescher, Glissandoflöte, Percussion
Instant Music Factory:
Claudio Puntin, Reeds/Elektronik
Jo Ambros, Gitarre/Elektronik
Oliver Potratz, Bässe/Elektronik

Werke
Julio Estrada – yuunohui’ehecatl
Nikolaus A. Huber – Sister Sounds
Phil Niblock – DreGliss
Gerard Pape – Glissando Harmonies
Claude Debussy – Syrinx
Edgard Varèse – Density 21,5
Idim Samimi Mafakham – Holography II (DE)
Instant Music Factory – Aneignungen (UA)    

Konzertende gegen 17.00 Uhr

Alle Veranstaltungen finden auf dem Gelände des Schlosses Wartin statt.
Bei schlechtem Wetter werden die für den Gartenbereich vorgesehenen Aufführungen in die Innenräume verlegt.

TICKETS

Tickets erhalten Sie über den Vorverkauf oder nach Verfügbarkeit an der Abendkasse des Schlosses.

Preise – regulär
Gesamtes Festival  50 €
Einzeltickets  15 – 25 €
Tagestickets  25 – 35€  

Preise – ermäßigt
Gesamtes Festival  30 €
Einzeltickets  10 – 15 €
Tagestickets  15 – 20 €

Ermäßigung erhalten Schüler, Studenten, Rentner, Bezieher des Arbeitslosengelds 2 gegen Vorlage eines gültigen Ausweises. 

Es steht ein kostenfreies Shuttle vom und zum Bahnhof Casekow bereit. Eine Telefonnummer zur Anmeldung wird in Kürze hier veröffentlicht. 
Eine Übersicht über die verfügbaren Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe finden Sie hier.

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